Raritäten & Kuriositäten Entlang des Schienenstrangs


Ich hab ihn....! Bf Coleraine (Irland) 19.05.2004 Sicherungstechnik im 21. Jahrtausend!

Auch im Zeitalter von elektronischen Stellwerken, Steuerung der Züge über Funk oder Signalisation für 300 km/h schnelle Züge gibt es immer noch Relikte der Sicherungstechnik aus der Anfangszeit der Eisenbahn.
In Irland wird an einigen Stellen die Zugfolge auf eingleisigen Strecken per so genanntem "Stabverfahren" gesichert. Soll heißen, derjenige Fahrdienstleiter, der den Stab bzw. in diesem Fall den Ring auf seinem Stellwerk hat darf Züge in die eingleisige Strecke ablassen. Soll ein Richtungswechsel stattfinden wird der Ring einem Zug mitgegeben. Der Fdl des Nachbarbahnhofs übernimmt diesen dann und darf nun seinerseits Züge in der umgekehrten Richtung ablassen!

Simpel, aber wirkungsvoll...

Bereit zur Ringübergabe! Bf Coleraine (Irland) 19.05.2004


Ausfahrsignale E (zweiflügelig) und F (Negativflügel) des Bahnhof Belgershain Zwischen dem 18.07.2001 und Ende 2003 gab es im Bahnhof Belgershain einen "Negativflügel" zu besichtigen. Nachdem diese Variante in den letzten Jahren immer mehr verschwunden war (z.B. Lößnitz unterer Bahnhof, Cranzahl, Königstein) sollte diese nicht ganz signalbuchkonforme Variante in Belgershain auch nur reichlich zwei Jahre überleben. Im Zuge des Ausbaus der Strecke Leipzig - Chemnitz für Neigetechnik wurde das Signal Ende 2003 vollständig entfernt. Zukünftig wird der Zugbetrieb im Bahnhof Belgershain durch Ks-Signale geregelt.

Eine Liste weiterer Formsignale mit Negativflügel in Deutschland finden Sie hier.

Zur "Farbe" der Signalflügel beachten Sie bitte auch den letzten Absatz dieser Seite!


Dreiflügelige Formsignale sind in Deutschland schon seit vielen Jahren nicht mehr anzutreffen.
Bei unserem tschechischen Nachbarn gibt es noch einige Exemplare, deren Zahl aber stetig abnimmt. Hier dient der dritte Flügel allerdings auch nicht dazu, eine weitere Fahrwegvariante zu signalisieren, sondern als Vorsignalisation für das folgend (Ausfahr-)Signal.


Einfahrsignale des Bahnhofs Lichkov im Nordosten Tschechiens,
Foto vom 28.7.2001: Markus Lohneisen


Janovice nad Úhlavou, 28.7.2008


Bf Ebersbach (Sachs); 22.04.2001 Eine Haltetafel (So 8) nur für eine Bahnverwaltung - gibt's nicht ? Gibt's doch und zwar im Bahnhof Ebersbach (Sachs) am Gleis 1. Die Tafel kennzeichnet den Halteplatz der an Wochenenden verkehrenden "internationalen Reisezüge" Rumburk - Ebersbach. 

Am 22. April 2001 hat der CD-Triebwagen 810 275-8 als R 6644 seine Fahrt vor der H-Tafel beendet. Bis zum Empfangsgebäude vorzufahren wäre unnütz, dieses wird von der deutschen Eisenbahn ohnehin nicht mehr benutzt.

VT 810 275-8 der CD im Bf Ebersbach (Sachs); 22.04.2001


Nur noch selten anzutreffen sind die
Signale für Schiebelokomotiven und Sperrfahrten (Ts).

An der Einfahrt des Bahnhof Bad Driburg (KBS 355) existiert noch ein solches. Genutzt wird es für die rückkehrenden Sperrfahrten aus Richtung Herste. Interessanterweise sind diese Signale aus dem Signalbuch der Deutschen Reichsbahn (dort als Sp2/3 bezeichnet) bereits im Jahre 1990 getilgt wurden. Die Einfahrt der Züge bzw. Sperrfahrten wird hier mittels Hauptsignal bzw. schriftlicher Weisungen geregelt.

Foto: © 2003 Ralf Maritschnigg

Alle Informationen und Bilder zum Ts-Signal in Bad Driburg stellte Ralf Maritschnigg zur Verfügung. Vielen Dank!
Ergänzung vom Oktober 2008: Das Signal wurde im Zusammenhang mit der Außerbetriebnahme des Bahnhofs Bad Driburg entfernt.

Weitere Signale dieser Bauart sollen noch in Brügge/W. und Kruft vorhanden sein.

Foto: © 2003 Ralf Maritschnigg

Ts 2 "Halt für zurückkehrende
Schiebelokomotiven und Sperrfahrten"

Foto: © 2003 Ralf Maritschnigg

Ts 3 "Weiterfahrt für zurückkehrende
Schiebelokomotiven und Sperrfahrten"


Weiche 24 im Bahnhof Amstetten; 06.10.2001

Weiche 24 im Bahnhof Amstetten; 06.10.2001
Das "sichere Weichenschloss",
gesehen am 6. Oktober 2001 im Bahnhof Amstetten (Württemberg)

So 16 am Hp Weißes Roß Am Haltepunkt Weißes Roß der Schmalspurbahn Radebeul Ost - Radeburg sichert(e) eine Halbschrankenanlage älterer WSSB-Bauart die Kreuzung mit der Meißner Straße einschließlich der Straßenbahnlinie nach Weinböhla.

Nicht nur daß ein So 16 ohne die beiden gelben Lichter verwendet wird, hat dieses Signal aus Richtung Radeburg noch eine weitere Besonderheit aufzuweisen! Um das Zugpersonal an die hier immer erforderliche Handeinschaltung der BÜ-Anlage zur erinnern zeigt das Signal in der Grundstellung ein rotes Licht. Nach erfolgreicher technischer Sicherung des BÜ's wird dieses rote Licht abgeschaltet und das weiße Licht des So 16a angeschaltet. Und das schon seit mindestens 40 Jahren!

Nachtrag vom Sommer 2006: Inzwischen wurde diese BÜ-Sicherungsanlage modernisiert und damit dieses Signalkuriosum durch "normgerechte" Signale ersetzt.


Recht selten anzutreffen ist die Kombination aus Hl-Vorsignal und Richtungsvoranzeiger.
Das hier abgebildete Vorsignal Ve gehört zum Ausfahrsignal E des Bahnhof Großenstein an der WISMUT-Werkbahnstrecke Kayna - Raitzhain. Diese Strecke ist nach den Vorschriften der ehemaligen Deutschen Reichsbahn mit Sicherungstechnik aus dem VEB WSSB ausgestattet.

Der Kennbuchstabe B bezeichnet die Fahrtrichtung "B"raunichswalde, zum Zeitpunkt der Aufnahme ist dies auch die einzige Fahrtmöglichkeit, da die abzweigende Strecke Richtung "A"nschlußbahn Beerwalde inzwischen abgebaut wurde.

 
Ausfahrsignale E (zweiflügelig) und F (Negativflügel) des Bahnhof Belgershain

 


44 0093-3 am Einfahrsignal des Bf. Unterwellenborn; 14.05.1996 Bf. Unterwellenborn - Einfahrsignal G aus Richtung Saalfeld. Im Jahr 1996 noch ein Lichthauptsignal ältester DR-Bauart mit schmalem Hauptsignalschirm und Signalbegriffen Hp 0 bis Hp 2 sowie Vr 0 bis Vr 2.
Interessanterweise wurde das Signal Ende 1996 durch ein Lichtsignal der Bundesbahn-Einheitsbauform-1969 ersetzt. Geändert wurde dabei nicht der Verstoß gegen das Signalbuch, in dem geregelt ist, dass Vorsignale am Mast des Hauptsignals beim Hauptsignalbegriff Hp 0 dunkelgeschaltet werden.

Einfahrsignal des Bf. Unterwellenborn mit nicht signalbuchkonformem Signalbild; 27.03.1997


Foto: Olaf Ziegler, Markkleeberg

Zu jedem guten Zwerghauptsignal gehört ein ebensolche H-Tafel! Gaschwitz, 16. April 2004
Foto: Olaf Ziegler, Markkleeberg 


Foto: © 2004 Michael Pelz Kein gutes Licht auf die zuständigen Signal-Techniker wirft dieser "neue Signalbegriff".

Am Einfahrsignal des Bahnhofs Rehau (KBS 858) kommt es bei winterlichen Temperaturen (unter -10°C) zu diesem zweifelhaften Signalbild. Zirka 30 Sekunden nach Haltstellung des Signals kommt dann der zweite Flügel auch in seine vorgeschriebene senkrechte Lage

Die Information und das Foto stammen von Michael Pelz. Dankeschön!


Foto: © 2006 Thorsten Staeck
Foto: Thorsten Staeck, Berlin

"Bauform Holzmast"?

Bahnhof Söllichau an der Strecke Eilenburg - Bad Schmiedeberg


Auf den ersten Blick ein ganz normales Lichtsignal, entpuppt sich das Einfahrsignal des Bahnhofs Stendal aus Richtung Salzwedel auf den zweiten Blick als eine Mischung aus Hl-Signalschirm und Ks-Signalmast. Wie es zu dieser interessanten Kombination kam ist nicht bekannt.

Die Information und das Foto (aus dem Jahre 2002) stammen von Kirlian. Dankeschön!

Inzwischen dürfte dieses Signal mit der Inbetriebnahme des ESTW Stendal im Dezember 2008 verschwunden sein, bzw. durch ein "echtes" Ks-Signal ersetzt sein.

Foto: © 2002 Kirlian

"Wer hat denn hier vergessen das Licht auszumachen?"
Der Güterbahnhof Rostock ist lange stillgelegt, ein Teil der Gleise ist schon entfernt, der Rest versteckt sich unter hohem Gras, aber die Lichtsignale versehen noch treu und brav ihren Dienst. Nur die Hauptrotbirnen waren schon etwas schwach, drei von ihnen haben sich zugunsten des Ersatzrot verabschiedet.
Welcher Amtsschimmel wohl für diesen Irrsinn verantwortlich ist......?

Nachtrag vom Sommer 2002: Inzwischen ist hier "besenrein" aufgeräumt und auch die im Hintergrund befindliche Brücke ist ebenso wie das Stellwerk und die Signale dem Erdboden gleichgemacht.

Gbf Rostock 5.7.1999 - Ohne Worte

Vergoldete Signalflügel???

"Jetzt spinnen sie aber völlig" war auch meine erste Reaktion als ich zum ersten Male davon hörte!
Dann ließ mir Klaus Erbeck folgenden Ausschnitt aus der "Sammlung von Erlassen und Verfügungen über das Sicherungswesen" der Deutschen Reichsbahn aus dem Jahre 1940
zukommen. Lesen Sie selbst!

Alles klar?

Übrigens, alle hier dargestellten Kuriositäten existier(t)en wirklich so und sind keine Erfindungen eines kreativen Nutzers der Bildbearbeitung am Computer. Allerdings wurden teilweise die Signallichter etwas aufgehellt und intensiviert, um die Besonderheiten dieser Signale deutlich zu zeigen. Aus der niedrigeren Fotografen-Perspektive sind diese für die Lokführer optimierten Lichtpunkte nicht so gut erkennbar.