Geschichte der Gleisbild-Stellwerke im Osten Deutschlands


1948 wurde das erste Gleisbildstellwerk in der damaligen sowjetischen Besatzungszone im Mückenberger Braunkohlenrevier installiert. Dieses in komplett handwerklicher Fertigung hergestellte Stellwerk besaß noch rechteckige Gleisbildelemente, die aber bereits bei den nachfolgenden Stellwerken durch die heute immer noch angewendeten quadratischen Felder ersetzt wurden. Ab 1950 begann der Einsatz von Gleisbildstellwerken bei der Deutschen Reichsbahn. Erste Stellwerke der Hersteller VEB Elektro-Signal und Maschinenbau Halle sowie Signalbau Babelsberg wurden in Königs Wusterhausen (Kwm) sowie Wildau (Wiw und Wib) in Betrieb genommen. Teilweise als Stellwerksbauform GS 0 oder GS ElSiMa bezeichnet waren sie die Grundlage für die später weiterentwickelte Bauform GS I DR. Die Fertigung wurde ab 1953 vom Berliner Werk für Signal- und Sicherungstechnik (WSSB) übernommen, Stellwerke der Bauform GS I DR insbesondere auf dem damals im Aufbau befindlichen Berliner Außenring installiert.
Die Weiterentwicklung wurde als Bauform GS II DR bezeichnet und ist seit etwa 1958 auf verschiedensten Bahnhöfen in Betrieb. Auf Basis vieler Schaltungen und Bauteile der Bauform II wurden auch mechanische bzw. elektromechanische Stellwerke durch den Einsatz von Lichtsignalen modernisiert. Die Bedienung der Weichen und Gleissperren sowie die Abhängigkeiten wurden jedoch weiterhin über die mechanische Technik hergestellt.
Für Rangierbahnhöfe mit Ablaufbergen wurde aus der Bauform GS II DR das Ablaufstellwerk GS II A 68 entwickelt, beispielsweise im Einsatz auf den größeren Rangierbahnhöfen der DR in Erfurt, Seddin und Dresden-Friedrichstadt.
Ein weiterer Schritt in der Entwicklung war der Einsatz der so genannten Spurplantechnik. Das erste Stellwerk dieser Bauform GS II Sp 64 b wurde im Jahre 1969 im Bahnhof Radebeul West in Betrieb genommen. Die Bauform GS II Sp 64 gab es in den Ausführungsvarianten a für Industriebahnen, b für die Deutsche Reichsbahn, c für die Berliner U-Bahn sowie d für den Export.
Mit ähnlichen Schaltungen, jedoch kleineren Relais und erweiterten betrieblichen Möglichkeiten kam ab 1974 die Bauform GS III Sp 68 zum Einsatz. Größtes Gleisbildstellwerk dieser Bauform ist das 1980 in Betrieb genommene Zentralstellwerk Seddin. Die weiterentwickelte Bauform GS III 8030 kam nicht mehr in nennenswertem Umfang zum Einsatz, mit der politischen Wende in der DDR konnte die Deutsche Reichsbahn auf die neuen elektronischen Stellwerke der Firmen Siemens und Lorenz zugreifen.
Mit dem flächendeckenden Einsatz dieser ESTW's wurden nicht nur alte mechanische und elektromechanische Stellwerke ersetzt, sondern auch zahlreiche Gleisbildstellwerke der verschiedenen WSSB-Bauformen fielen dieser Modernisierung zum Opfer, so z.B. in Pirna, Heidenau, Dahlen, Dornreichenbach, Luckenwalde und Jüterbog sowie am Berliner Außenring.
Wesentlich unbekannter ist, dass der VEB WSSB auch Elemente der Gleisbildtechnik an die Deutsche Post der DDR lieferte, Informationen dazu finden Sie hier. Aus den Bauformen für die Deutsche Reichsbahn wurden auch Exportvarianten abgeleitet, hier sind u.a. die Bauformen GS II-IB und GS II 63 bekannt.

Weitere Informationen zur Unterscheidung der WSSB-Gleisbildstellwerke finden Sie auch auf der Internetseite www.stellwerke.de.